Information hat immer zwei Orte
Korrekte Information soll sagen, was ist – am besten in allen Details.
Leider ist das nicht erreichbar. Denn das Objekt der Betrachtung, über das die Information etwas aussagen soll, ist nicht die Information, sondern das Objekt. Wenn die Information alle Details des Objekt enthalten sollte, müsste sie eine Kopie des Objekts sein. Wenn jemand alle Informationen über ein Auto oder einen Baum in seinem Computer speichern möchte, müsste sein Computer auf seiner Festplatte oder sonstwo, einen Baum rekonstruieren oder ein Auto.

Abb. 1: Kann die Realität 1:1 kopiert werden?
Das Ideal einer perfekten Information ist verständlich, aber unerreichbar. Es gibt bei Information stets zwei getrennte Orte: den Ort an dem die Information liegt und den Ort an dem sich das gemeinte Objekt befindet.
Der Speicherort
In unseren Rechnern und Gehirnen speicheren wir keine Autos. Wir speichern gegebenenfalls die für uns relevanten Details über Autos; das sind aber nie alle, und das können auch nie alle sein. Der Grund dafür ist ein physikalischer:
Information wird letztlich immer physikalisch repräsentiert. Um alle Informationen über ein Objekts zu speichern, müsste sich am Speicherort eine exakte Kopie des Objekts befinden.
Das ist natürlich unmöglich. Trotzdem glauben viele Menschen – auch Naturwissenschaftler – dass dies anzustreben und letztlich auch möglich sei. Sie stehen immer «kurz davor». Doch auch wenn perfekte und vollständige Information letztlich unerreichbar ist, können wir unser Wissen über Information erweitern und unseren Umgang mit Information entscheeidend verbessern, einfach indem wir die Unvollständigkeit jeder Information akzeptieren.
Speicherort und Ursprungsort
Als Mensch speichere ich Information auf Zetteln, im Computer und manchmal im Kopf. Das ist der Ort, wo die Information abgelegt wird und verfügbar ist.
Doch die Information hat einen Ursprung, auf den sich die Information bezieht und dieser Ursprung befindet sich naturgemäss ausserhalb des Speicherortes. Das ist der zweite Ort der Information: nicht der Ort, an dem sich die Information findet, sondern der Ort, auf den sich die Information bezieht.
Diese beiden Orte zu unterscheiden, ist grundlegend für das Phänomen Information. Denn nicht nur sind die Orte physikalisch getrennt, auch die Art der physikalischen Informationsstruktur ist unterschiedlich, sodass Informationen nicht zwingend auf die gleiche Weisen gespeichert werden können, wie sie im Zielort vorhanden sind.
Information sagt immer an einem Ort etwas über einen anderen Ort aus. Information ist stets sekundär. Wenn ich etwas weiss, besitze ich es nicht, ich weiss es nur.
Was als philosophische Haarspalterei erscheinen mag, hat nun weitreichende Konsequenzen, in Theorie und Praxis.
Ontologischer Realismus – eine verbreitete Illusion
Sehr verbreitet ist die Falle, die sich ergibt, wenn man die beiden Orte nicht mehr unterscheidet. Dann wird angenommen, dass Realität und unsere Interpretation der Realität identisch sind. Doch dies ist physikalisch unmöglich – obwohl die Gleichsetzung immer wieder als wissenschaftliche Grundvoraussetzung gesehen wird. Der Physiker Hans-Peter Dürr schreibt dazu:
„Unter dem starken Einfluss der Naturwissenschaft … haben wir uns daran gewöhnt, unsere Wahrnehmung von der Wirklichkeit mit der Wirklichkeit gleichzusetzen und diese Wirklichkeit sogar im Sinne einer materiell fundierten, in Teile zerlegbaren Realität zu interpretieren. Die moderne Physik hat uns da jedoch eine interessante Lektion erteilt, die zu einer tief greifenden Korrektur dieser Vorstellung führte. Sie hat uns bedeutet, dass die Vorstellung einer objektiven Realität, einer materiell ausgeprägten Wirklichkeit wohl in einer gewissen Näherung angemessen, aber als absolutes Naturprinzip unzulässig und falsch ist, ja, dass diese Vorstellung uns sogar einen tieferen Einblick in das Wesen der eigentlichen Wirklichkeit versperrt.“[1]
Die Existenz der Objekte in der Realität und unsere Sicht auf diese Objekte sind nicht das gleiche.
Realität und Interpretation
Es geht als erstes darum, Realität und Interpretation klar zu unterscheiden. Man kann dies als epistemiologischen (erkenntnistheoretischen) Realismus bezeichnen. Als Mensch lebe ich in einer realen Umgebung; diese Realität ist für mich relevant und nicht etwa meine Wunschvorstellung; insofern bin ich ein Realist. Doch die Realität ist für mich nie vollständig erfassbar. Ich interpretiere sie in meinem Sinn, in dem ich die Aspekte herausschäle, die ich für besonders wichtig halte. Dies ist meine Interpretation, mein Versuch, immer näher an die relevanten Fakten zu kommen – ganz im Wissen, dass dies nur eine Annäherung sein kann. Für einen epistemiologischen Realisten ist jede Information eine Interpretation der Realität und niemals die Realität selber. Während der ontologische Realist nicht zwischen Realität und Interpretation unterscheiden kann und annimmt, dass seine Denkmodelle (Ontologien) wahr seien, weiss der epistemiologische Realist, dass seine Modelle nur eine vereinfachte Interpretationen der Realität sind und deshalb nie absolute Wahrheit für sich beanspruchen können.
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