Einfache Loops

Loops gibt es nicht nur bei der Programmierung

Jeder Programmierer hat schon Loops angetroffen, genauso wie jeder Verliebte und jeder Kriegsherr. Loops sind überall.

Die einfachsten Loops haben die Form:

If A ↝ Then B
If B ↝ Then A

oder visuell ausgedrückt:

Was ein einfacher Loop bedeutet

Diese Situation führt dazu, dass A und B sich in der Folge gegenseitig aufrufen. Bei einem einfachen Loop isolieren sich A und B und verlieren den Kontakt mit ihrer Umgebung.

A  ↝  B  ↝  A  ↝  B  (usw.)

Ein typisches Beispiel für einen einfachen Loop ist der Programmierfehler, bei dem der Zustand A zu Zustand B führt, und B wieder zurück zu A. Wenn diese Schliefe nicht sicher verhindert oder abgebrochen wird, «stürzt» das Programm ab. Bei diesem Absturz reagiert das Programm nicht mehr, ist aber im Innern immer noch aktiv und führt permanent den Loop zwischen A und B durch. Nach aussen kommuniziert es aber nicht mehr, es ist deshalb «gestorben».

Jeder Programmierer kennt diese Art Loops – und sucht sie natürlich tunlichst zu vermeiden.


​Teufels- und Engelskreise

Ganz analog wie der Programmiererloop funktioniert jeder Teufelskreis, auch ausserhalb der Programmierung. So rüstet das Land A auf und bedroht dadurch das Land B. Dieses rüstet angesichts der Bedrohung ebenfalls auf, was Land A veranlasst, weiter aufzurüsten. Die Länder A und B bedrohen sich so gegenseitig weiter und können schwer aus dieser Schleife entkommen. Diese Art Teufelskreis gibt es auch im sozialen und zwischenmenschlichen Verhalten. Wenn zwei sich streiten und sich gegenseitig Vorwürfe machen, ist oft schwer zu erkennen, wer begonnen hat. Der Streit hat sich aus dem Kontext gelöst. Er hat den realen Kontakt zur Umgebung verloren.

Loops verfestigen Kriege und persönliche Streiteren und sind nur schon deshalb interessant, um herauszufinden, wie wir diesen Konflikte entkommen.

Doch nicht alle Loops sind Teufelskreise. Es gibt auch Loops, die wir als durchaus begehrenswert einschätzen. Neben den Teufelskreisen, den cercle vicieux gibt es auch die cercles vertueux, auf deutsch etwa die Engelsschleifen. Gemeint sind damit die positiven Effekte, die zwischen A und B aufgerufen werden können. So freut sich ein Mensch A, wenn sich ein Mensch B für ihn interessiert. Er reagiert positiv darauf, was auf Mensch B einen stimulierenden Effekt hat und in ihm das Interesse und Wohlwollen gegenüber A verstärkt. Ein wohltuender Loop oder Kreiseffekt hat begonnen und verstärkt sich.

Typisch für solche Loops ist, dass die Loop-Partner sich zunehmend aus dem Kontext lösen. Bei einem Software-Loop isoliert sich die Schleife vollständig aus dem übrigen Programm und das Programm stürzt ab. Bei einer Rüstungsspirale droht dasselbe, doch in der Realität sind der Rüstung Grenzen gesetzt und die Komplexität des Geschehens lässt sich nicht auf die Rüstung allein reduzieren. Loops isolieren sich in der komplexen Realität nie so stark wie in der simplen Konstruktion eines Computerprogramms. Das ist beim Teufelskreis genauso wie beim Engelskreis. Auch die zwei Verliebten, die scheinbar nur noch Augen für einander haben, müssen irgendwann essen und trinken und sich mit der Umgebung auseinandersetzen. So simpel wie in einem Computerprogramm geht es im Leben nicht zu und her.


Anzahl der Stationen in einem Loop

Loops können über zwei, aber auch über mehr Stationen erfolgen und Verschachtelungen der Aufrufe können den Loop zusätzlich verbergen. Doch der Loop bleibt ein Loop, solange er nicht unterbrochen wird.

Eine spannende Frage ist, ob es auch Loops mit nur einer Station gibt:  A → A → A → A

Ja, die gibt es. Der obige Fall, dass A sich selber bestätigt, ist natürlich möglich. Die Falle ist dann für die meisten offensichtlich. Anders sieht das bei den komplexen Loops mit Spin aus. In einem Loop mit mehreren Stationen, z.B. A → B → C → D → E → A kann man leicht die Übersicht verlieren. Trotzdem ist ein solcher mehrstationärer, aber einfach geschlossener Loop genauso ein einfacher Loop wie der zweistationäre  Loop A → B → A.

Eine Rolle spielt die Zahl der Stationen aber schon

Je mehr Stationen im Loop sind, desto einfacher kann der Loop in einem offenen System gestört werden. Gleichzeitig führen mehrere Stationen dazu, dass der Loop schwieriger zu erkennen ist. Doch solange es ein einfacher Loop, ist er auch mit mehreren Stationen logisch einfach behandelbar.

Ganz anders sieht das bei den komplexeren Loops, den
– kontrollierten Loops mit mehreren Ebenen
– den oszillierenden Loops.

Anzahl der Stationen und Zeitverhalten

​Im Prinzip kann ein Loop endlos laufen, solange er nicht gestört wird, d.h. solange keine Kräfte von aussen einwirken. Die Zeit ist dann im Loop quasi eingefroren. Je mehr Einfallsstellen die äusseren Kräfte haben, umso wahrscheinlicher wird der Loop von aussen gestört oder unterbrochen. Je mehr Stationen, umso mehr Einfallsmöglichkeiten. Ein Loop mit vielen Stationen ist deshalb unsicher und kann leichter unterbrochen werden.

Published On: 15. Mai 2026

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